Eindrücke aus einem „Gelobten Land“

In diesem Blog sollen ein paar Erlebnisse und Eindrücke einer Reise in die USA wiedergegeben werden. Der Titel ist in mehrfacher Hinsicht mehrdeutig und soll die Widersprüchlichkeit dieses Landes widerspiegeln.

Denn erstens heißt „Esta America“ auf Spanisch „dieses Amerika“, doch gleichzeitig ist damit Bezug genommen auf die ESTA Privacy Act Statement, die ESTA Datenschutzerklärung, die für Reisende aus Deutschland und anderen Ländern Voraussetzung ist, um Visa-frei in die USA einzuwandern. ESTA steht in diesem Kontext für „Electronic System for Travel Authorization“.

Zweitens ist die Bezeichnung der USA natürlich eine Anmaßung, denn die USA machen nur einen Teil Nordamerikas aus, nicht aber ganz Amerika. Gleichwohl wird die Bezeichnung USA (= Vereinigten Staaten von Amerika) häufig mit ganz Amerika gleichgesetzt.

Drittens kann man sich auch an der Bezeichnung „Gelobtes Land“ und damit die Anspielung auf biblische/christliche Motive stoßen, denn die USA ist ja quasi für viele das Land des Urkapitalismus und (Neo-) Liberalismus (Stichwort „Reagonomics“). Geld spielt hier eine wichtige, wenn nicht die entscheidende Rolle. Es ist insofern der Abgott, dem viele Menschen huldigen. Sinnbildlich tanzen Die USA (und nicht nur die) insofern täglich um das „Goldene Kalb“, dem Sinnbild für ungläubiges Verhalten nach dem Alten Testament (siehe Exodus 20, 1-29). (Wer sich näher mit den Regionen beschäftigen will, für den ist ggf. der Blog „Weimar, Thüringen und die Konfessionen“ interessant.)

Doch lassen wir diese Einwände einfach mal Einwände sein. Für einen Liberalen und Demokraten ist dieses Land wichtig. Insofern wollen wir ihm nachfolgend ein paar Gedanken widmen.

Wie schon erwähnt ist eine der ersten Erfahrungen eines Deutschen bei seiner Reise in die USA das Ausfüllen der ESTA-Bescheinigung. Das war früher einmal eine recht unkomplizierte Angelegenheit, die sich innerhalb  weniger Minuten, notfalls am Flughafen vor dem Abflug erledigen ließ. Mittlerweile ist es eine fast abendfüllende Beschäftigung geworden. Man muss im wahrsten Sinne des Wortes „die Hose runter lassen“, denn man muss Auskunft darüber geben, ob man an Syphilis, Gonorhoe oder Schanker etc., sprich Geschlechtskrankheiten, leidet. Doch das ist noch der leichteste Teil der Übung. Man wird mittlerweile aufgefordert, seine Konten bei Twitter, Facebook oder Instagram anzugeben und ob man in den Sozialen Medien aktiv ist. Ohne Nennung der Namen der Eltern kommt man ebenso nicht weiter (auch wenn diese schon längst verstorben oder unbekannt sein sollten). Man braucht zudem eine Kontaktperson in den USA, die man mit Adresse, Namen und Telefonnummer benennen muss. Seine eigene Adresse in den Staaten muss man sowieso angeben. Und wenn man jeweils in bestimmten Staaten war, speziell geht es hier um Iran, Irak, Syrien, Jemen (vermutlich auch Nordkorea) oder aber einmal eine Staatsbürgerschaft dieser oder eines anderen Landes hatte, gibt es ebenfalls ein Problem.

Das Verhältnis der USA zu ein paar Ländern ist angespannt und das bekommen auch alle ihre Bürger wie auch diejenigen Menschen zu spüren, die zu enge Beziehungen zu ihnen aufweisen. Bei bestimmten Dingen versteht das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ keinen Spaß. Es schottet sich geradezu ab. Es verliert damit aus hiesiger Sicht peu à peu sein Selbstverständnis als klassisches Einwanderungsland. Mein Gedanke beim Ausfüllen der ESTA-Datenschutzerklärung ist: Die USA hat sich verändert und verändert sich weiterhin. Doch kann man das prinzipiell auch positiv auffassen, denn es gilt: Dieses Land ist zu Veränderungen fähig und diese Änderungen fallen nicht selten radikal aus.

Der zweite bleibende Eindruck bei der Einreise in die USA nach dem Flug über den Atlantik ist die „Immigration Control“ am Einreiseflughafen. Hier muss jeder Einreisende seine Fingerabdrücke abgeben, es wird ein Foto genommen, um es mit demjenigen seines Reisepasses etc. abzugleichen und man wird gefragt, was der Zweck der Reise und des Aufenthaltes in den USA ist. Erst wenn man diese Prozedur, die mit Schlange stehen verbunden ist, überstanden, die Koffer am „Baggage claim“ bekommen und die Tür des Flughafen hinter sich hat, bekommt man so langsam den Eindruck in einem freien Land zu sein. Auch weiß man die Vorteile des Schengen-Abkommens und der Reisefreiheit in der EU zu schätzen.

Bei unserer Reisegruppe hieß der Ankunftsflughafen Newark Liberty Airport in New Jersey (Abkürzung „EWR“) . Er liegt etwas näher an New York City als der John F. Kennedy Airport („JFK“) auf Long Island. Es war ein Direktflug vom neuen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER), für den an dieser Stelle eine Lanze gebrochen sei. Der Flughafen ist nicht nur optisch ansprechend mit seiner Holzvertäfelung, sondern auch äußert angenehm, was jedoch dem relativ geringen Betrieb an einem Sonntag Vormittag geschuldet sein mag. Wir waren zumindest erfreut, dass alles gut geklappt hatte, kein Koffer auf dem Hinflug verloren ging, was in diesem Chaos-(Flug)Reise-Sommer nach der Corona-Pandemie nicht selbstverständlich ist.

(Fortsetzung folgt später.)

Bildquellen:

ESTA-Bild: Urheber US Custum and Border Protection/Homeland Security Department, siehe https://www.cbp.gov/travel/international-visitors/esta,